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Moselsteig – von Cochem nach Brugg

In unserem Hotel in Cochem gibt es – wie in so vielen vorher – erst ab acht Uhr Frühstück. Da wir dann aber losmarschieren sollten, um unseren Zug zu erwischen, dürfen wir schon um 7.30 Uhr in den Frühstücksraum. Bis auf die Rühreier ist auch schon mehr oder weniger alles bereit, so dass wir unsere Reise gestärkt antreten können.

Es sind nur 800 Meter bis zum Bahnhof. Unterwegs kaufen wir zum letzten Mal belegte Brötchen in einer Bäckerei. Wir haben ja nicht sehr viel Zeit zum Umsteigen, da will man vorbereitet sein. Unser Züglein fährt pünktlich in Cochem ein und erreicht Koblenz 50 Minuten später ebenso pünktlich, es ist schliesslich ein Stadler FLIRT3 XL.

Moseltalbrücke bei Winningen

Die Strecke verläuft malerisch entlang der Mosel, und wir können die Wanderetappen anschauen, die uns am Schluss noch fehlen. Der gesamte Moselsteig führt ja von Perl bis Koblenz (365 km). Wir halten in jedem Kaff, die da so Namen haben wie Klotten, Pommern und Müden.

Während dieser Fahrt kommt die Meldung der Deutschen Bahn, dass es mit dem Anschluss in Mannheim knapp wird. Der Intercity, den wir in Koblenz nehmen müssen, hat nämlich Verspätung. Er holt dann aber auf seiner Fahrt nach Mannheim mächtig auf, so dass der Anschluss zwischenzeitlich wieder gewährleistet ist. Ein unplanmässiger Halt auf offener Strecke wirft uns dann aber wieder zurück und der Anschlusszug zieht ohne uns von dannen.

Also dürfen wieder eine Extrastunde in Mannheim auf den nächsten Zug warten, in dem wir keine Sitzplätze reservieren können, da er offenbar sehr gut belegt ist. Wir essen unsere Brötchen und trinken Kaffee. Wir haben dann aber Glück und finden zwei freie Plätze im ICE, der uns von Mannheim nach Basel bringt. Hin- und Rückreise mit je einer Stunde Verspätung, ich fürchte, wir müssen zufrieden sein …

Der Moselsteig war sehr grossartig: tolle Landschaft, schöne Wanderwege, feiner Riesling, nette Menschen … wir können ihn uneingeschränkt empfehlen! Vielleicht muss man nicht unbedingt während der grössten Hitzewelle da hin, aber wir haben es gut überstanden und dafür leere Wanderwege angetroffen.

Das Wetter war allerdings schon krass, nur an zwei Tagen war die Höchsttemperatur knapp unter 30 Grad, sonst ging es bis 37. An vielen Wandertagen herrschte eine Regenwahrscheinlichkeit von 0%, so etwas haben wir seltern erlebt. Geregnet hat es einmal abends zehn Minuten. Wir brauchten nie Regenzeug und nie etwas Langärmliges oder mit langen Hosenbeinen. Abends haben wir jeweils die staubigen Wanderkleider ausgewaschen und am Morgen wieder angezogen. Ich hatte noch nie so wenig Wäsche nach den Ferien. Aber die Trockenheit ist einfach grausam.

Es folgen nun noch ein paar Bilder, die nicht in den Beiträgen untergekommen sind.

Sportplatz im Wald oberhalb von Mehring
Schiefer allüberall
Ein kleines Sprachrätsel
Der Eingang zum berühmten Doctorberg direkt hinter Bernkastel
Sauber eingepackte Träublein an einer Hausfassade in Zell
Der alte Wetterhahn der Kirche in Senheim
Ein handgemaltes Moselsteig-Zeichen – eine Rarität!

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Moselsteig Etappe 11 von Senheim nach Cochem

Unser letzter Tag auf dem Moselsteig bietet nochmals alles, was diesen Wanderweg und die vergangenen zehn Tage ausmachten: Nette Leute, unglaubliche Hitze, schweisstreibende Anstiege, schöne Ausblicke, steile Weinberge, Flussschleifen, Schiffsschleusen, Einsamkeit, Burgen, Touristenfallen und Vollpfosten.

Der Wanderweg über den Gemeinden Senheim und Mesenich führt wenig überraschend durch einen Weinberg. Hier findet sich zur Abwechslung ein Skulpturenpark entlang den alten Wänden, durchaus auch mit spielerischem Einschlag.

Die wichtigste Frage beim Wandern überhaupt.
Die wichtigste Frage beim Wandern überhaupt.
Wir drehen selbstverständlich am Philosophie-Glücksrad.
Wir drehen selbstverständlich am Philosophie-Glücksrad.
Brige muss sich mit Numero 2 zufrieden geben, mir hingegen gelingt auf Anhieb die Nummer 1!
Brige muss sich mit Numero 2 zufrieden geben, mir hingegen gelingt auf Anhieb die Nummer 1! Von jetzt an hocke ich auf’s Maul.
Der Mesenicher "Steinreichskopp" aus Draht udn Schiefer gefällt uns gut.
Der Mesenicher „Steinreichskopp“ aus Draht und Schiefer gefällt uns gut.
Die wohl grösste Wanderwegkarte Deutschlands.
Die wohl grösste Wanderwegkarte Deutschlands. Wir sind genau dort, wo wir sein müssten.

Wir nähern uns dem nächsten Punkt von touristischer Bedeutung, vor dem wir schon gestern beim Nachtessen gewarnt wurden, dem Örtchen Beilstein. Zuerst aber kommt wieder einmal eine Burg ins Blickfeld, Burg Metternich, schön gelegen über Beilstein. Brige spürt meine freudige Erregung und sorgt frühzeitig vor, sie werde unter gar keinen Umständen auch nur einen Fuss auf das Gelände der Burg setzen, geschweige denn den Turm besteigen und ob ich die Drehkreuze sehe, die wollten sicher einen Obolus. Sie sei als Aargauerin burgengeschädigt. Also passieren wir die Burg seitlich und steigen ab. Eine kleine Anmerkung muss ich aber dennoch machen; denn Clemens Wenceslaus Nepomuk Lothar, Fürst von Metternich-Winneburg zu Beilstein (* 15. Mai 1773 in Koblenz; † 11. Juni 1859 in Wien) stammte aus der Linie Winneburg und Beilstein des Adelsgeschlechts Metternich. Sein Portrait findet sich auf den gleichnamigen Sektflaschen.

Die Spornburg Metternich beziehungsweise was von ihr noch vorhanden ist.
Die Spornburg Metternich beziehungsweise was von ihr noch vorhanden ist.
Süffel überall.
Glasmalerei an einem Haus in Beilstein. Süffel überall.
Hübsches Beilstein.
Beilstein, das „Dornröschen an der Mosel“ ist klein und hübsch. Und es ist überschwemmt von Touristen.
Beilstein kann auf deftig.
Beilstein kann auch deftig. So viel wandern können wir gar nicht, um diese Kalorien zu verputzen …
Und so sieht es ganz unten aus.
Und so sieht es ganz unten aus. Alle Veloparkplätze sind um 10:30 Uhr voll, ebenso alle Autoparkplätze. Überall stehen Fahrzeuge kreuz und quer, und gestresste Touristen aus den Niederlanden, Belgien, Spanien machen einem das Leben schwer.
Blick zurück auf Beilstein und Burg Metternich.
Blick zurück auf Beilstein und Burg Metternich.

Wir sind froh, können wir den Trubel hinter uns lassen und wieder ein wenig hochsteigen. Das nun folgende Wegstück hat es in sich. Wir werden schon mal gewarnt. Und in der Tat wird es recht ruppig im Fels, mit hohen und schmalen Tritten, besonders ausgesetzte Stellen sind mit Seilen gesichert.

Es wird ernst.
Es wird ernst.
Brige im Riesling.
Brige im Riesling. Ein klarer Fall: Steillage.

Als wir das Gröbste hinter uns haben, kommt uns eine Vierergruppe entgegen, die beiden Frauen tragen Sandalen, die hintere hat offensichtlich Angst, uns zu kreuzen, weil der Weg wirklich schmal ist. Also pressen wir uns auf die Bergseite und machen uns flach, damit die Gruppe passieren kann. Am Schluss werde ich noch gefragt, ob es denn noch weit sei bis Beilstein? Meine Güte, die haben wirklich keine Vorstellung, was sie hier machen, und die Tafel im Bild oben, die sicher auch auf der anderen Seite angebracht ist, haben sie wohl gar nicht gesehen oder ignoriert.

Kaum fünf Minuten später kommt uns die nächste Gruppe entgegen, die sechs Personen sind noch schlechter ausgestattet, zwei Frauen tragen Pantoletten und kämpfen sichtlich mit dem verblockten Weg. Weil die Herren im mittleren Körperbereich klar mehrgewichtig sind, ist das das Kreuzen aus räumlichen Gründen auf dem nach wie vor schmalen Weg anspruchsvoll.

Wir durchqueren Fankel und Bruttig und steigen von der Mosel zum Eisernen Mast auf 300 M.ü. NHN hoch. Der Weg verläuft in einem Tobel, wo tatsächlich noch ein Rinnsal fliesst. Wir kommen wieder ins Schwitzen. Oben angelangt ist der Blick einmal mehr atemberaubend.

Blick auf Bruttig.
Blick auf Bruttig.

Es ist leicht bewölkt, heiss und sehr schwül. Das merken wir gut, als wir der Krete Richtung Valwig folgen. In der Nähe einer schön gelegenen Naturbegräbnisstätte rasten wir, geniessen die Aussicht, das belegte Brot, die Trauben und das Kühltuch.

Abkühlung.
Verdiente Abkühlung.

Es wird immer heisser und drückender. Die Sonne brennt vom Himmel, und der Boden sowie die alten seitlichen Stützmauern aus Schiefer strahlen Wärme ab. Der deutsche Wetterdienst hat gestern schon wieder gewarnt, man solle heute drinnen bleiben und viel trinken. Ersteres ignorieren wir und letzteres nehmen wir uns zu Herzen; wir trinken heute beide 2 Liter Wasser während der Wanderung.

Hitzegang.
Wieder im Dörrex …

Auch die Natur leidet unter der anhaltenden Hitze und der Trockenheit. Im Wald sind viele Bäume bereits jetzt gelblich-braun, vor allem die Birken, die Hainbuchen und Wildkirschbäume sind betroffen. Immer wieder treffen wir Stellen an, wo die Bäume, um sich zu schützen, viele Blätter abgeworfen haben.

Blätterabwurf.
Blätterabwurf einer Hainbuche.

Jetzt wird es kompliziert, denn die Wanderkarte, die App auf meinen Handy und die vor uns liegende Markierung des Moselsteigs zeigen drei verschiedene Richtungen an. Die Markierung des Moselsteigs sieht sehr neu aus, also folgen wir dieser. Statt durch den Rebberg wandern wir weiter in der Höhe durch den Forst Richtung Cochem. Bei einem Unterstand öffnet sich der Blick kurz auf Cochem. Der Abstieg nach Cond, von wo die Brücke nach Cochem führt, ist einmal mehr sehr steil, wir merken auch die 21 Kilometer des heutigen Tages.

Blick auf Cochem. Links die Reichsburg.
Blick auf Cochem. Links die Reichsburg.
Ein schiefriger Abgang.
Ein schiefriger Abgang. Das tönt fast wie bei der Riesling-Verkostung.

Müde, aber sehr zufrieden erreichen wir Cochem. Gleich links nach der Brücke haben wir eine Eisdiele ausgemacht, wo wir unsere Körperkerntemperatur mit Eiskaffee und Frappé senken.

Im Hotel sind die Koffer noch nicht angekommen. Wir überbrücken die Wartezeit mit einem Abstecher auf den Pinnerberg, dem Hausberg von Cochem. Nein, wir wandern nicht mehr, es führt nämlich eine Sesselbahn hoch! Oben werden wir von der automatischen Kamera fotografiert und selbstverständlich lassen wir uns das Foto gleich ausdrucken (€ 2.50), der Fotoautomat ist der Renner, viele Touristen scharen sich um das Gerät.

Der eigentliche Aussichtspunkt Pinnerberg ist etwa 100 Meter von der Bergstation entfernt, der Weg dorthin ist verblockt und scharfkantig, aber auch hier wird man mit einer tollen Aussicht belohnt.

Blick direkt runter zur Talstation.
Blick direkt hinunter zur Talstation.
Blick vom Pinnerberg auf Cochem.
Blick vom Pinnerberg auf Cochem.

Auf dem Rückweg vom Aussichtspunkt zur Bergstation kommen uns doch tatsächlich zwei Vollpfosten entgegen, die meinen, man könne sicher mit dem e-Mountainbike bis nach ganz vorne fahren. Sie merken aber schnell, dass das nicht gut gehen kann und müssen wenden. Das dauert und ist ein Schauspiel für sich …

Versuch abgebrochen, Rad gewendet. Auf dem Rückzug.
Versuch abgebrochen, Rad gewendet. Auf dem Rückzug.

Beim Einsteigen für die Talabfahrt tauschen wir ein paar Worte aus mit dem Mann, der uns in den Sessel hilft. Ja, wir kämen aus der Schweiz und hätten ein wenig Erfahrung mit Sesselliften, nein, er sei noch nie in der Schweiz gewesen, er sei eigentlich überhaupt noch nie weiter weg gewesen, aber jetzt gehe er dann bald nach Kenia, seine Frau komme von dort, ja, es sei immer nett, mit den Gästen zu plaudern, er wünsche eine gute Talfahrt! Die haben wir auch und unten warten die Koffer, die Dusche und ein feines Nachtessen.

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Moselsteig Etappe 10 von Bremm nach Senheim

Wir sind gerade in einem sehr touristischen Gebiet. Es gibt jede Menge Campingplätze, Gasthäuser und Winzer, die ihren Wein verkaufen wollen. Deshalb gibt es hier vermutlich sehr gute Busverbindungen. In nur 11 Minuten brettern wir von Senheim zurück nach Bremm, wo unsere Etappe heute mit dem Aufstieg auf den Calmont startet. Ich kenne diesen Berg ja erst seit ein paar Tagen, aber er lockt viele Besucher an, da hier mit 68 Grad Neigung eine der steilsten Lagen weltweit zu finden ist. Durch den Weinberg, der sich am Südhang einer Moselschleife befindet, gibt es einen „Klettersteig“, der allerdings nichts mit Klettern zu tun hat, sondern einem anspruchsvollen Bergwanderweg gleicht.

Der Calmont, oben links bei der kahlen Stelle ist unser erster Aussichtspunkt.

Wir wandern nicht durch den Klettersteig, und ich bin froh, denn die Sonne brennt schon morgens um 10 Uhr kräftig vom Himmel. Schliesslich kommt der Name „Calmont“ entweder von „heisser Berg“ oder „steiniger Berg“ – heute stimmt definitiv beides. Wir steigen im Wald auf und zwar bis ganz nach oben, wo wir die Kante des Calmont auf dem Plateau abschreiten.

Wir sind oben auf dem Calmont.

Es gibt mehrere tolle Aussichtspunkte, von denen man talauf- und abwärts äugen kann.

Beim Calmonter Gipfelkreuz, von hier kann man auch mit dem Gleitschirm wieder hinab.

Beim Gipfelkreuz gibt es eine Strausswirtschaft, und tatsächlich sitzt eine ganze Gruppe Frauen beim Frühstück. Wir wandern weiter auf dem schönen Plateau zum Römischen Bergheiligtum und zum Vierseenblick.

Wenn man ins „Römische Bergheiligtum“ hineinblickt, sieht man nur ein Schild „Präsentation in Bearbeitung“.

Am Ende des Calmonts müssen wir nach Ediger-Eller absteigen, und zwar extrem steil durch Fels und Wald. Nun kommen uns auch immer mehr Wanderer entgegen, die entweder auf dem gleichen Weg wandern wie wir oder zum Klettersteig wollen – oder gar keine Ahnung haben, wo sie hinwollen und auch kein Wasser dabei haben. Es gibt sie tatsächlich, diese unvernüntigen Menschen, die einfach losgehen ohne Sinn und Verstand.

Der Calmont liegt hinter uns.

In Ediger-Eller steigen wir vom Dorf gleich wieder hoch in die Weinberge, und bald sind wir wieder alleine unterwegs. Leider finden wir kein Schattenplätzchen für die Mittagspause, deshalb halten wir sie kurz. Es ist nach zwei angenehmen Tagen wieder richtig heiss geworden, und Wolken sind auch keine in Sicht.

Unterwegs durch Einzellagen, so soll es sein.

Heute sehen wir auch zum ersten Mal Pfirsichbäume, die teilweise in den aufgegebenen Rebhängen angepflanzt werden, um sie weiter zu bewirtschaften.

Der Rote Weinbergpfirsich wird in der Schweiz von Pro Spezie Rara gefördert.

Wir nähern uns nun Senhals, wo wir wieder ins Tal absteigen und die Mosel überqueren, um nach Senheim zu gelangen. Nur noch ein letzter Blick von oben:

Apérobänkli – es ist noch zu früh (und zu heiss) dafür.
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Moselsteig Etappe 9 von Merl (Zell) nach Bremm

Zuerst ein paar Worte noch zu gestern. Unser Hotelzimmer verfügte über einen kleinen Balkon, der direkt auf die Mosel ging, also alles wunderbar. Nur schade, dass auf dem links angrenzenden Balkon ein alter Kettenraucher irgendwelche üblen Zigaretten rauchte und auf dem Balkon rechts von uns vier Personen in unserem Alter mit ziemlichen Getöse einen 66. Geburtstags feierten. Also flüchteten wir, gingen nochmals spazieren und wurden auf einem schönen Platz im Zentrum von Auftritten verschiedener Chöre überrascht. Das hat uns sehr gut gefallen.

Heute Morgen war es ein ziemliches Hin-und-her. Zuerst marschierten wir durch halb Zell zur einzigen Bäckerei, die so früh belegte Brötchen macht und weil das komplizierte Ehepaar vor uns gefühlt drei Stunden brauchte, um sechs Konditorei-Teilchen auszusuchen, verpassten wir den Bus. Das hingegen bot die Gelegenheit, nochmals zurückzuspazieren, um den schönen Hauseingang zu fotografieren, der uns gestern Abend schon aufgefallen war.

Schöne Tür in Zell.
Schöne Tür in Zell.

So viele Busse, die alle in die gleiche Richtung fahren, hat man selten zur Auswahl. Bei dieser Gelegenheit grüssen Brige und ich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Schweizerischen Idiotikons. Vom Lindenplatz in Zell ging es mit dem Bus zum Wanderstart in Merl.

Alle Wege führen nach Bullay.
Alle Wege führen nach Bullay.

Es wandert sich gut, denn es ist angenehm frisch heute Morgen. Der übliche erste steile Aufstieg fällt uns heute leichter. Unterwegs bestaunen wir die Arbeiten im Rebberg, wo einer alleine zwischen den in der Senkrechten angelegten Rebstöcke mäht. Das blaue, kleine Raupenfahrzeug ist mit einer Seilwinde mit der Ladefläche hinter dem Traktor verbunden. Der Arbeiter fährt die steile Bahn zwischen zwei Rebreihen erstaunlich schnell hinunter und wird dann von der Seilwinde hochgezogen, während er gleichzeitig die Bahn zwischen den Rebstöcken mäht. Oben wird das Fahrzeug ganz auf die Ladefläche hochgezogen, und der Traktor rückt automatisch zur nächsten Rebreihe vor. Dann beginnt das Ganze von vorne. Faszinierend!

Arbeiten im Rebberg. Einer allein macht alles.
Arbeiten im Rebberg. Einer allein macht alles.

Immer wieder stossen wir auf Wiesen, die sich selbst überlassen sind. Auch die vielen Bäume gefallen uns. Die sind in der Schweizer Landwirtschaft leider fast überall alle ausgeräumt worden.

Verwilderte Wiese.
Verwilderte Wiese.

Kurz vor Bullay sehen wir die berühmte Doppelstockbrücke. Oben verkehren die Züge und auf der unteren Ebene die Strassenfahrzeuge. Und ganz links hinten sieht man den Turm, den wir gestern bestiegen haben.

Doppelstockbrücke bei Bullay.
Doppelstockbrücke bei Bullay.

Einige Zeit später erreichen wir das Gipfelkreuz über der Gemeinde Neef. Das sieht nicht so beeindruckend aus, wenn man auf dem Moselsteig von hinten zum Kreuz kommt. Aber die Aussicht ins Tal verschlägt uns den Atem. Wieder blicken wir auf zwei Seiten 150 Meter schier senkrecht zur Mosel hinunter.

Gipfelkreuz Neef.
Gipfelkreuz Neef.
Blick vom Gipfelkreuz Neef auf Neef.
Blick vom Gipfelkreuz Neef auf Neef.
Blick vom Gipfelkreuz Neef auf die Brücke nach Bremm.
Blick vom Gipfelkreuz Neef auf die Brücke nach Bremm.
Blick vom Gipfelkreuz Neef auf auf Bremm.
Blick vom Gipfelkreuz Neef auf Bremm.

Beim Gipfelkreuz ist auch eine Webcam installiert, deren Bilder man hier betrachten kann: Mosel Webcam Calmont. Kurz nach dem Aussichtspunkt passieren wir eine grosse Mobilfunkantenne, die wohl beide Seiten der Moselschleife abdeckt. Ich bin ja, was Sicherheitsfragen angeht, beruflich sicher etwas deformiert, aber dass die komplette Installation, alle technischen Bauteile sowie die ganze Verkabelung am Boden völlig frei zugänglich sind, das finde ich doch eher erstaunlich. Über den Schutz von Infrastrukturen sprechen wir ja nicht erst seit gestern …

Kabelsalat.
Kabelsalat.

Nun vernichten wir wieder auf kürzester Strecke die Höhendifferenz bis nach ganz unten, denn wir müssen über die Brücke im oberen Bild nach Bremm. Schneller Abstieg? Also in der Falllinie durch die Weinberge, heute zur Abwechslung auf einer Treppe.

Steiler Abstieg im Weinberg.
Steiler Abstieg im Weinberg.

Kurze Zeit später erreichen wir Bremm, wo wir mit dem Bus 710 nach Senheim fahren. Die Strecke führt entlang der Mosel und ist sehr touristisch; überall hat es Beizen, Gasthöfe, Hotels und Ferienwohnungen. Kein Wunder, wir sind in der Region des Calmont, eines bekannten Hügelzugs, der den angeblich steilsten Weinberg der Welt enthält. Den werden wir morgen genauer unter die Lupe nehmen.

In Senheim schlagen wir noch etwas Zeit tot, weil unser Gepäck für einmal noch nicht eingetroffen ist. Wir spazieren ins nahe gelegene riesige Camping Holländischer Hof, wo es von Holländern nur so wimmelt, leisten uns Kaffee und Kuchen und prüfen das Angebot des kleinen Ladens (bescheiden …).

Kurze Zeit später trifft das Gepäck ein und wir können duschen, waschen und Kleider wechseln, Ah, das tut gut. Nächtigen werden wir nicht im Hotel selbst, sondern im gegenüberliegenden Gästehaus. Das Zimmer ist klein, bietet aber alles Notwendige. Sorgen macht mir nur der Keller des Gebäudes. Was da wohl vorgeht?

Müssen wir uns Sorgen machen?
Müssen wir uns Sorgen machen?

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Moselsteig Etappe 8 von Reil nach Merl (Zell)

Heute erleben wir den ersten kühlen Morgen seit unserer Anreise. Beim Frühstück auf der Terrasse des Hotels gibt es tatsächlich Gäste, die im Zimmer ihr Jäckchen holen und anziehen – was für Feiglinge. Ich empfinde Temperaturen unter dreissig Grad mittlerweile auch als seltsam, aber zum Wandern ist der Morgen sehr angenehm. Es bläst ein frischer Wind und der Himmel ist klar. Es geht gleich wieder hoch auf der linken Seite der Mosel. Das erste Stück führt uns in einem Bogen durch einen sehr schattigen Wald. Hier gibt es sogar noch einige Pflanzen, die nicht verdorrt sind, z.B. das Einblütige Perlgras, das ich vor den Ferien zu Hause vergebens gesucht habe.

Melica uniflora, wie Gräserfreunde unschwer erkennen …

Schon bald erreichen wir den Prinzenkopf, wo zu Christofs Freude ein Aussichtsturm steht.

Ein Turm, ein Turm!

Die Aussicht ist einmal mehr prächtig. Wir befinden uns in einer schmalen Schleife, so dass wir für einmal die Mosel auf beiden Seiten sehen.

Zwei Moseln, in der Mitte die Marienburg, rechts Pünderich

Das Café auf der Marienburg hat noch geschlossen, also marschieren wir weiter. Wir folgen der rechten Mosel auf der linken Seite.

Rechts Briedel

Es folgt nun eine Passage durch meine Lieblingslandschaft hier: auf der Höhenkurve durch halb oder ganz verwilderte Weinberge. Bald finden wir auch einen sehr lustigen Rastplatz, wo wir eine kurze Pause machen.

Grosser Blick von der grossen Bank auf das grosse Briedel
Wandern durch verwilderte Weinberge, mein neues Hobby

Wir erreichen Zell gegen Mittag. Hier gibt es eine Fussgängerbrücke über die Mosel, eine echte Rarität. Obwohl wir heute hier übernachen, ist die Etappe noch nicht zu Ende. Also setzen wir uns an der Uferpromenade auf eine schattige Bank und essen unsere belegten Brote. Die Stärkung ist auch notwendig, denn es folgt nochmals eine Steigung, die es in sich hat.

Zell, hinten der Rebberg „Schwarze Katz“, oben der Collisturm

Eigentlich wandern wir nur einen Stadtteil weiter nach Merl, das sind drei Bus-Haltestellen. Aber dazu steigen wir sehr steil praktisch durch eine Felswand hoch zum Aussichtspunkt Collisturm und dann gemütlich wieder bergab nach Merl.

Der Collisturm hoch über Zell, nur schwitzend erreichbar.

Zurück in Zell besuchen wir zuerst die Eisdiele Venezia, bevor wir unser Hotelzimmer mit Balkon und Moselblick beziehen. Es gibt Schlimmeres.

Berlin? Nein, Zell an der Mosel.
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Moselsteig Etappe 7 von Traben-Trarbach nach Reil

Über die Brücke und gleich hoch. So beginnt unsere heutige Etappe. Der Aufstieg von Trarbach auf die Grevenburg treibt uns sofort wieder den Schweiss aus allen Poren. Aber die Aussicht entschädigt für das „Leiden“. Von der Grevenburg ist praktisch nichts mehr erhalten, nur gerade noch die Turmreste sind vorhanden; das sind die rötlicher markierten Gebäudeteile im Plan.

Blick von der Grevenburg auf Traben.
Blick von der Grevenburg auf Traben.
So sah die Grevenburg in ihrer besten Zeit aus.
So sah die Grevenburg in ihrer besten Zeit aus.
Und das steht heute noch.
Und das steht heute noch.

Der Weg führt nun über den Grat. Wir geniessen den Blick vom Aussichtspunkt in die Tiefe, wir passieren den Weiler Starkenburg, verlieren an Höhe, und gelangen nach Enkirch, wo wir keinen Kaffeehalt machen, sondern gleich wieder hochstreben. Und wie! Zwischendurch führt der Moselsteig durch einen Weinberg hoch und wir kraxeln in der Falllinie zwei Terrassen hoch. Puuh …

Blick vom Grat nach Traben.
Blick vom Grat nach Traben.
Auf dem Grataussichtspunkt.
Auf dem Grataussichtspunkt.
Es ist sehr trocken.
Es ist sehr trocken.

Wieder in der Höhe wandern wir entlang einer etwa einen Kilometer langen, schön gefügten Mauer, über der viel früher Weinberge angelegt waren. Jetzt ist über uns alles verbuscht bis bewaldet. Auch auf der Talseite des Wegs finden sich nur vereinzelte Streifen mit Reben. Entlang der Wand lernen wir viel Wissenswertes über das typische Weinjahr. Beginnen wir mit dem Wesentlichen:

Kommen wir zu den wichtige Dingen heute.
Noch Fragen?
Wo sind hier die Rebstöcke?
Wo sind hier die Rebstöcke?

Kurze Zeit später erblicken wir den heutigen Zielort Reil tief unter uns.

Blick auf Reil. Auf der Höhe der Anlegestelle liegt unser Hotel. Direkt an der Mosel.
Blick auf Reil. Auf der Höhe der Anlegestelle liegt unser Hotel. Direkt an der Mosel.

Schnell Höhe vernichten? Das geht am besten direkt im Weinberg. Also führt der Moselsteig hier ziemlich direkt hinunter zur Brücke, die uns ins Dorf Reil führt. Dort löschen wir in der Gelateria unseren Durst mit einer Flasche Mineralwasser (gut) und zwei Eiskaffees (deutlich weniger gut leider).

Im Hotel in Reil werden wir freundlich empfangen, und das Personal ist Brige behilflich mit einem neuen behelfsmässigen Kofferanhänger. Der offizielle Anhänger des Reiseunternehmens ist auf der letzten Transportetappe irgendwo verloren gegangen.

Im Abstieg nach Reil.
Im Abstieg nach Reil.
Ein neuer Kofferanhänger.
Der neue Kofferanhänger wird befestigt.
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Moselsteig Ruhetag in Traben-Trarbach

Traben-Trarbach und Wangen bei Olten – wer kennt beide Ortschaften? Wir!

Ausschlafen ist schwierig, denn es ist heiss im Zimmer, so dass wir die Fenster offen haben, und das Hotel liegt an einer Durchgangsstrasse in Traben, auf der ab 6 Uhr fleissig der Verkehr rollt, es ist schliesslich Dienstag. Für uns Touristen gibt es heute leider nicht viele interessante Angebote in der Umgebung. Aber wir haben eine Möglichkeit gefunden, den Ort zu erkunden, nämlich mit einer Lauschtour! Wir laden uns die Lauschtour-App aufs Handy sowie den „Stadtrundgang Traben-Trarbach“ und los geht’s! Die App führt uns durch den Ort und erzählt uns spannende Geschichten über die Stadt, es ist wirklich sehr gut gemacht. Wir hören, sehen und staunen.

Es gibt noch einige alte Riegelhäuser im Ort, die den Grossbrand von 1876 überstanden haben. Die krummen Balken sollen Weinranken darstellen.

Neben den Riegelhäusern fallen die Bauten aus Schiefergestein auf.

Wir lernen, dass Schieferhäuser nicht verputzt werden müssen, da Schiefer wasserabstossend ist.

Um 1900 blühte der Weinhandel in Traben-Trarbach und viele reiche Winzer liessen sich Häuser vom Architekten Bruno Möhring bauen. Er hat auch die Brücke zwischen Traben und Trarbach erstellt, vom Original steht nur noch das Brückentor in Trarbach.

Möhring zählte zu den bedeutendsten Architekten des Jugendstils in Deutschland.

Auch das Jugendstil-Hotel „Bellevue“ ist Möhrings Werk.

Eingang mit prächtigen Buntglasscheiben. Uns beeindrucken aber auch die Hochwassermarken am Pfosten links von der Treppe.

Wirklich aussergewöhnlich an Traben-Trarbach ist die „Unterwelt“. Die Stadt war um 1900 eine der bedeutendsten Weinhandelsstädte. Aus diesem Grunde wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Kapazitäten der Weinkeller vergrössert und grosse Flächen des Stadtkerns mit teilweise über 100 Meter langen Gewölben unterkellert. Schade, dass heute keine Führung durch diese Kellter stattfindet, es wäre dort mit 12 Grad angenehm kühl gewesen (also eigentlich viel zu kalt).

Das Mittagessen nehmen wir im Hotel „Moselschlösschen“ auf einer schönen Terrasse fast direkt an der Mosel ein. Es ist fein und gemütlich, jedenfalls bis auf dem Strässchen unterhalb der Terrasse ein Kanalreinigungsfahrzeug vorfährt und tatsächlich beginnt, seinen Unrat in die Kanalisation abzupumpen. Zuerst lärmt es „nur“, aber alsbald beginnt es grässlich zu stinken. Zum Glück sind wir schon fertig mit dem Essen und können den Ort fluchtartig verlassen. Wir sind ziemlich sprachlos ob dieser Aktion.

Etwas weiter unten an der Mosel gibt es zum Dessert noch eine Kugel Eis aus der Eismanufaktur, hergestellt von der Konditormeisterin Katarzyna Grabowska. Die Eismanufaktur bietet übrigens auch ein Hundeeis an, hergestellt aus Quark und Leberwurst. Ich habe dann doch lieber Schokolade genommen.

An vielen Fassaden gibt es Figuren, hier einer, der zu viel getrunken hat …

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